Heiße Chaco-Sonne, eine erneuerbare Energie und eine Chance, die wir immer mehr nutzen
Neue Solaranlage: Filadelfia Sur
Die dritte und damit größte
Solaranlage, Filadelfia Sur, ist seit dem 29. August 2026 vollständig in
Funktion, laut Tobias Eitzen, Leiter der Stromabteilung des Betriebes Redes y
Servicios. Die Hälfte der Anlage speiste bereits am 21. August Strom ein, gut
eine Woche später lief sie mit voller Leistung. Die Anlage wurde auf dem
Versuchsfeld vom ATF gebaut, in der Nähe des ehemaligen Dorfes Nr. 4, wo sich
6.480 Solarmodule über eine Fläche von 3,5 Hektar verteilen.
Die Vorarbeiten begannen
bereits im Mai. Gemeinsam mit dem ATF und privaten Unternehmen wurde die Fläche
nivelliert, damit das Regenwasser später zuverlässig abgeleitet werden kann. In
den Wochen danach entstanden die Stromleitung und weitere Vorarbeiten, damit
der eigentliche Bau ohne Unterbrechung durchlaufen konnte.
Ab dem 7. Juli 2026 wurde dann
auf Hochtouren am Bau des Projekts gearbeitet. Noch am selben Tag gingen die
ersten der insgesamt 1.260 Pfosten in den Boden, die das Fundament dieses
Projekts gründen — nach nur acht Tagen standen sie alle. Erstmals wurden die
Metalpfosten nicht in Beton eingegossen, sondern über 1,7m in den Boden
gehämmert. Am 13. Juli begann der Aufbau
der verzinkten Stahlkonstruktion — und schon einen Tag später wurden parallel
dazu die ersten Solarmodule montiert. Beim Aufbau selbst gab es keine
erwähnenswerten Schwierigkeiten. Von den ersten Pfosten bis zur vollständigen
Inbetriebnahme vergingen nur acht Wochen.
Der Grund der zusätzlichen
Solaranlage: hoher Stromverbrauch. Die Reservierungsleistung — also die
Höchstleistung, die Fernheim von ANDE beziehen darf — liegt bei 20 MW
(Megawatt). Diese Leistung kann nicht erhöht werden, bis mehr Strom im Chaco
vorhanden ist. Der tatsächliche Bedarf erreichte im letzten Sommer rund 26 MW
und man geht von einem jährlichen Wachstum von ca. 7% aus. Die 6 MW Differenz
müssen entweder mit Energie aus der Solaranlage oder mit Dieselgeneratoren
gedeckt werden. Dieselgeneratoren sind im Betrieb allerdings viel
kostspieliger. Die 3 bestehenden Anlagen produzieren bei Höchstleistung
insgesamt 7,5 MW und decken den größten Teil dieser Lücke — allerdings nur
tagsüber, da noch keine Batterien für die Energielagerung angeschafft wurden.
In den Abendstunden, wenn ANDE die Leistung am teuersten abrechnet, bleiben die
Dieselgeneratoren daher unverzichtbar.
An dem Projekt waren
zahlreiche Betriebe beteiligt. Die Projektleitung, die Planung und der Import
der Anlagenteile lagen bei Redes y Servicios, wo mehrere Abteilungen
zusammenarbeiteten. Unterstützung kam vom ATF, vom Wegebau, von privaten
Bauunternehmern, vom Betrieb Taller Industrial Chaco sowie vom Unternehmen
Brasguay aus Ciudad del Este.
Die Technik stammt von zwei
der weltweit führenden Hersteller. Die Module von JinkoSolar mit je 630 Wp sind
bifazial, erzeugen also auch auf ihrer Rückseite Strom, indem sie das vom Boden
reflektierte Licht nutzen. Für die Umwandlung des Stroms werden 20
Wechselrichter von GoodWe gebraucht, jeder mit 150 kW Nennleistung und bis zu
165 kW maximaler Abgabeleistung; damit lässt sich die Anlage bei Bedarf auf 3,3
MW steigern. Der Hersteller wird in Paraguay von Energía 360° vertreten, einer
Abteilung von Redes y Servicios. Zwei Transformatoren mit je 2.000 kVA heben
die Spannung anschließend auf 23.000 Volt an, damit die Energie in das Netz der
Kooperative eingespeist werden kann.
Im Investitionsplan ist die 3,3
MW Anlage mit 8,4 Milliarden Gs veranschlagt. Im Jahr 2022 kostete eine Anlage
von 1,08 MW noch 4,6 Milliarden Gs.
Die Säuberung der Module wird
mit einem extra ausgestatteten Roboter durchgeführt. Diese Aktion wird
benötigt, um die Module von dem Schmutz zu befreien und möglichst viel Strom zu
erzeugen. Diese Säuberung sollte bestenfalls 2 bis 3 Mal im Jahr geschehen.
Es ist vorgesehen, dass die
neue Anlage jährlich 6.514 MWh (Megawattstunden) erzeugt, welches insgesamt ca.
6,5 % des aktuellen Stromkonsums aller Kunden von Redes y Servicios ausmacht.
Aber es bleibt die Frage:
Lohnt es sich weiterhin, in Solaranlagen zu investieren? Dieses muss zukünftig
weiter analysiert werden und hängt vor allem von den Preisbedingungen und die
Verfügbarkeit des Stromes von ANDE ab. Auf jeden Fall ist die Solarenergie
momentan der günstigste Alternativstrom. Eine Solaranlage brauche im Vergleich
zu Dieselgeneratoren deutlich weniger Wartung: keine Motoren, die verschleißen,
kein Ölwechsel, kein Treibstoff. Im Wesentlichen bleibt die regelmäßige
Reinigung der Module. Hinzu kommt, dass die Technik selbst immer besser wird:
Die Module werden effizienter, die Anlagen gleichzeitig günstiger — der
Vergleich mit 2022 zeigt es deutlich.
(Text: TJ, Fotos: Redes y Servicios)
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